Garagen Brandschutz NRW: Kleingarage bis Großgarage nach SBauVO Teil 5
Teil 5 SBauVO gilt für jede Garage – ohne Mindestgröße. Zwei Fragen: Nutzfläche Klein/Mittel/Groß – und offen oder geschlossen? GK-5-Bauteile, Rauchabschnitte, Rettungswege, BMA, Lüftung und Aufsicht statt BSB.
Ob und wie streng die Sonderbauverordnung für Garagen greift, hängt nicht von der Stellplatzanzahl allein ab. Zuerst zwei Prüfungen: Wie groß ist die Nutzfläche der Garage (Klein, Mittel, Groß)? Und ist die Garage offen oder geschlossen?
Teil 5 SBauVO gilt für alle Stellplätze und Garagen (§ 121) – ohne Mindestgröße. Das ist nicht dasselbe wie großer Sonderbau: der folgt erst ab mehr als 1.000 m² Nutzfläche (§ 50 Abs. 2 BauO) mit Brandschutzkonzept. Eine Mittelgarage mit 400 m² ist Sonderbau über Teil 5, braucht aber kein Konzept als großer Sonderbau.
Abgrenzung Betrieb: Garagen haben in Teil 5 keine Brandschutzordnung, keinen Brandschutzbeauftragten und keine Feuerwehrplan-Pflicht – stattdessen Aufsichtsperson in allgemein zugänglichen geschlossenen Großgaragen (§ 139). Vergleich: BSO, BSB, Feuerwehrpläne.
Klein, Mittel, Groß – und Garagentypen
Einstufung nach § 122 SBauVO
Einstufung nach § 122 SBauVO
Typ
Nutzfläche
Besonderes
Kleingarage
≤ 100 m²
Teil 5, mildere Detailpflichten
Mittelgarage
> 100 – 1.000 m²
Rauchabschnitte, Verbindungen, Rettungswege ab Mittel
Großgarage
> 1.000 m²
Großer Sonderbau + §§ 132, 137, 139 u. a.
Offene Garage
—
≥ 1/3 Umfassungswand unverschließbar ins Freie; Querlüftung
Geschlossene Garage
—
Strenger: Lüftung, BMA, SiBe, Rauchabschnitte
Oberirdische Garage
—
Fußböden im Mittel ≤ 1,50 m unter Gelände
Automatische Garage
—
Brandwände statt Rauchabschnitte; kein Personenverkehr
Gebäudeklasse 5 als Default
Soweit Teil 5 nichts Abweichendes regelt, gelten auf tragende, aussteifende und raumabschließende Bauteile von Garagen die Anforderungen der BauO NRW an Gebäudeklasse 5 (§ 122 Abs. 14 Satz 1).
Nicht anwendbar bei Garagen u. a.: § 30 Abs. 3 Satz 2, § 31 Abs. 4 Nr. 1–2, § 36 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2, § 39 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4, § 40 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 und 3, § 41 Abs. 5 Nr. 1 und 3 BauO – die üblichen GK-Erleichterungen greifen hier nicht.
§ 127: Tragende Wände und Decken über, unter und zwischen Garagen feuerbeständig – Erleichterung oberirdisch bis 22 m über Gelände. § 128: Außenwände Mittel/Groß nichtbrennbar (Ausnahme eingeschossige oberirdische reine Garagen). § 129: Trennwände zu anderer Nutzung mindestens feuerhemmend; zu anderen Gebäuden feuerbeständig.
Geschlossene Großgaragen (nicht automatisch): Rauchabschnitte feuerhemmend, nichtbrennbar – max. 5.000 m² oberirdisch, 2.500 m² sonst; Verdopplung mit Sprinkler in jedem Garagengeschoss. Automatische Garagen: Brandwände, Brandabschnitte max. 6.000 m³ Brutto-Rauminhalt; § 30 Abs. 2 Nr. 2 BauO nicht anwendbar.
Verbindung zum Wohnbau – Sicherheitsschleusen
Flure, Treppenräume und Aufzugsvorräume (nicht nur für Garagennutzer) zu geschlossenen Mittel- und Großgaragen: nur über Sicherheitsschleusen – feuerbeständige Wände/Decken, Türen feuerhemmend, rauchdicht, selbstschließend, Aufschlag in Fluchtrichtung (§ 133).
Zu offenen Garagen: Öffnungen mit feuerhemmenden, dichten, selbstschließenden Türen. Automatische Garagen: keine Verbindung zu anderen Räumen oder Gebäuden.
Wohn-Tiefgaragen-Komplex: typischer Planungsfehler ist die direkte Öffnung des Hausflurs in die geschlossene Garage ohne Schleuse – Wände notwendiger Flure und § 133 gemeinsam prüfen.
Rettungswege
§ 134 SBauVO – Rettungswege
§ 134 SBauVO – Rettungswege
Anforderung
Maß / Regel
Zwei Rettungswege
Jede Mittel-/Großgarage, jedes Geschoss
Erleichterung oberirdisch
Ein RW genügt, wenn Ausgang ins Freie ≤ 15 m
Notwendiger Treppenraum
Einstellplätze im Mittel > 3 m über Gelände: jede notw. Treppe im eigenen TR; § 35 Abs. 2 Satz 2 BauO nicht anwendbar
Erreichbarkeit
Offen: max. 50 m Luftlinie; geschlossen: max. 30 m zu TR oder Ausgang
Großgarage
Bodenmarkierungen + beleuchtete Wandhinweise zu Treppen/Ausgängen
Türen
Nicht versperrt; von innen leicht öffenbar (Betriebszeit)
Beleuchtung, Lüftung, BMA, Löschanlagen
§ 135: Mittel/Groß – allgemeine Beleuchtung 1 Lux / 20 Lux. Geschlossene Großgaragen (Ausnahmen: eingeschossig mit festem Benutzerkreis): Sicherheitsbeleuchtung Rettungswege – Details: Sicherheitsbeleuchtung. Gebäudefunk für Feuerwehr bei Störung (Ausnahme ≤ 1 UG und ≤ 2.500 m² NF).
§ 136 geschlossene Mittel/Groß: maschinelle Abluft + Zuluft; CO-Halbstundenmittelwert max. 100 ppm (SV-Gutachten nach Inbetriebnahme als Alternative); min. 6 bzw. 12 m³/h/m²; zwei Ventilatoren, getrennte Stromkreise.
§ 137: Geschlossene Großgarage – BMA mit selbsttätigen Meldern (Ausnahme: Sprinkler in jedem Geschoss). Geschlossene Mittelgarage – BMA wenn Verbindung zu BMA-pflichtigen Räumen. Weiter: BMA-Pflicht.
§ 138: Wandhydranten Typ F in unterirdischen Mittel-/Großgaragen nahe jedes TR; Sprinkler u. a. unterirdische Großgarage in Mehrzweckgebäude, automatische Garagen, > 20 Hebebühnen mit Grube; RWA in geschlossenen Großgaragen.
Betrieb – Aufsicht statt BSB
§ 139: In allgemein zugänglichen geschlossenen Großgaragen ständig Aufsichtsperson – oder Monitorkontrolle mit unverzüglicher Erreichbarkeit. Beleuchtung 20 Lux in Betriebszeit; Lüftung und CO-Warnanlagen betriebsbereit; Rauch- und Feuerverbot mit Hinweisschild.
Keine brennbaren Stoffe außerhalb Kfz (Ausnahmen: Reifen, Fahrradanhänger je Stellplatz). § 140: Kfz in Treppenräumen, Fluren, Kellergängen verboten – in anderen Räumen nur mit Gesamtkraftstoff ≤ 12 l unter Bedingungen.
Nach Inbetriebnahme: PrüfVO NRW für BMA, Sprinkler, RWA in geschlossenen Großgaragen. E-Fahrzeuge betrieblich: E-Fahrzeuge Tiefgarage.
Grenzfälle – ja oder nein?
Grenzfall ja: Geschlossene Tiefgarage 850 m² unter Wohnhaus – Mittelgarage, Rauchabschnitte § 132, Sicherheitsschleuse § 133, zwei Rettungswege § 134.
Grenzfall nein: Einzelgarage 28 m² am EFH – Kleingarage, Teil 5 mit reduziertem Paket; trotzdem Kraftstoff und FeuVO bei Heizung prüfen.
Grenzfall offen: Offene Mittelgarage 600 m² – keine geschlossenen Anforderungen zu Lüftung/BMA, aber Rettungswege und Verbindungen zu Wohnbau bleiben.
Grenzfall ja: Automatische Parkgarage – Brandwände § 132 Abs. 3, keine §-134-Abs.-4-Rettungswege für Personen.
Prüfkatalog
Garagen – gesetzliche Prüfpunkte
Garagen – gesetzliche Prüfpunkte
Nr.
Frage
Ergebnis
1
Stellplatz/Garage § 2 Abs. 8 BauO?
Teil 5 SBauVO anwendbar
2
Nutzfläche?
Klein ≤ 100 / Mittel ≤ 1.000 / Groß > 1.000 m²
3
Offen oder geschlossen?
Geschlossen → Lüftung, BMA, ggf. SiBe
4
Automatische Garage?
Brandwände; keine Personen-RW § 134 Abs. 4
5
NF > 1.000 m²?
Großer Sonderbau → Konzept § 70
6
Rauchabschnitte § 132?
5.000 / 2.500 m²; Verdopplung Sprinkler
7
Zwei Rettungswege je Geschoss?
Erleichterung: 1 RW wenn Ausgang ≤ 15 m
8
Einstellplätze > 3 m über Gelände?
Eigener notwendiger TR je Treppe
9
Verbindung Wohn/Büro?
Sicherheitsschleuse wenn geschlossen
10
Lüftung / CO nachgewiesen?
§ 136; 100 ppm oder maschinell
11
BMA erforderlich?
Geschl. Groß; Mittel bei Verbindung
12
Sprinkler / Wandhydranten / RWA?
§ 138 je nach Typ
13
Geschl. Großgarage öffentlich?
Aufsichtsperson § 139
14
BSO / BSB / Feuerwehrplan?
In Teil 5 nicht vorgesehen
15
Feuerwehrzufahrt § 5 BauO?
Separates Thema – nicht § 123 Garagenverkehr
Grenzen
Dieser Ratgeber erklärt BauO NRW und SBauVO NRW Teil 5 (§§ 121–142) – ohne PrüfVO NRW, VV TB, Stellplatzsatzungen oder GEG-Ladeinfrastruktur. Verkehrsbreite Garagenzufahrt (§ 123) ist nicht Feuerwehrzufahrt nach § 5 BauO – Feuerwehr-Flächen. Ersetzt kein genehmigungsfähiges Brandschutzkonzept.
Häufige Fragen
Ab wann gilt SBauVO Teil 5 für Garagen?
Für alle Stellplätze und Garagen nach § 2 Abs. 8 BauO – ohne Mindestgröße (§ 121 SBauVO). Die Einstufung Klein/Mittel/Groß steuert die Strenge der Detailanforderungen.
Was ist der Unterschied zwischen Mittelgarage und großem Sonderbau?
Mittelgarage: Nutzfläche über 100 bis 1.000 m². Großer Sonderbau mit Konzeptpflicht: erst ab mehr als 1.000 m² Nutzfläche (§ 50 Abs. 2 BauO). Eine 800 m² Tiefgarage ist Mittelgarage, aber kein großer Sonderbau.
Braucht eine geschlossene Großgarage eine BMA?
Ja – Brandmeldeanlage mit selbsttätigen Brandmeldern (§ 137 SBauVO), außer in jedem Garagengeschoss eine selbsttätige Feuerlöschanlage.
Gibt es einen Brandschutzbeauftragten in Garagen?
Nein in SBauVO Teil 5. In allgemein zugänglichen geschlossenen Großgaragen: Aufsichtsperson oder Monitorkontrolle (§ 139). Das ist nicht dasselbe wie der BSB nach § 85/§ 118.
Was ist eine offene Garage?
Mindestens ein Drittel der Umfassungswandfläche unverschließbar ins Freie; bei Mittel/Groß weitere Kriterien zu gegenüberliegenden Wänden und Querlüftung (§ 122 Abs. 2–5).
Welche Rettungsweglängen gelten?
Geschlossen: max. 30 m Luftlinie zu Treppenraum oder Ausgang ins Freie. Offen: max. 50 m. Zwei unabhängige Rettungswege je Geschoss – oberirdisch Erleichterung bei Ausgang ≤ 15 m (§ 134).
Gilt Gebäudeklasse 5 für jede Garage?
Soweit Teil 5 nichts anderes regelt, ja – feuerbeständige/fachplanerische Anforderungen wie GK 5 auf Bauteile (§ 122 Abs. 14), mit enumerierten Ausnahmen von BauO-Erleichterungen.
Braucht jede Tiefgarage ein Brandschutzkonzept?
Nur als großer Sonderbau ab über 1.000 m² Nutzfläche oder bei genehmigungspflichtigem Vorhaben mit Sonderbau-Verfahren. Mittelgaragen brauchen den vollen SBauVO-Nachweis, aber nicht automatisch ein Konzept nach § 70.
Von der Ratgeber-Einordnung zur konkreten Leistung: Brandschutzberatung, Konzept oder betriebliche Organisation – wir melden uns mit einer passenden Einschätzung.