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H&S+ Brandschutz Köln

H&S+ Köln – BrandschutzStand: 05.09.2024

Brandschutzordnung Pflicht NRW: wann Sie eine BSO wirklich brauchen

Nicht jedes Gebäude braucht eine Brandschutzordnung. Zwei Fragen: Greifen § 42, § 57, § 86 oder § 117 SBauVO – und braucht ihr nur BSO, zusätzlich Räumungskonzept oder nur Rettungswegplan? Gesetzliche Schwellen ohne DIN 14096.

Zwei Fragen – und eine Abgrenzung

Ob eine Brandschutzordnung (BSO) gesetzlich vorgeschrieben ist, hängt nicht davon ab, ob jemand „eine BSO nach DIN 14096“ erwartet. Das Landesrecht stellt zuerst zwei Prüfungen: Greift für eure Nutzung einer der vier SBauVO-Betriebsparagraphen – Versammlungsstätte, Beherbergung, Verkauf oder Hochhaus? Und reicht die BSO allein, braucht ihr zusätzlich ein Räumungskonzept oder nur einen Rettungswegplan im Gästezimmer?

Die BauO NRW schreibt keine BSO für alle Gebäude vor. Sie ermächtigt über § 50 Abs. 1 Satz 3 den Verordnungsgeber, Betriebspflichten für Sonderbauten zu regeln. Konkrete BSO-Pflichten stehen in der SBauVO – für den laufenden Betrieb, getrennt vom Brandschutzkonzept in der Genehmigung.

Wichtige Abgrenzung: Die gesetzliche BSO nach SBauVO ist nicht dasselbe wie eine DIN-14096-Gliederung (Teil A/B/C) in der Praxis – und nicht dasselbe wie Feuerwehrpläne, Fluchtpläne nach ASR A2.3 oder das genehmigte Brandschutzkonzept. DIN 14096 kann die Umsetzung strukturieren; Rechtskern sind §§ 42, 57, 86 und 117 SBauVO NRW.

BSO – und was daneben liegt

Planarten und Konzepte im Betrieb

Planarten und Konzepte im Betrieb
InstitutPhaseFunktionNorm
Brandschutzordnung (BSO)BetriebOrganisatorische Vorschrift: Aufgaben, Verhalten, Räumung, ggf. BSB§§ 42, 57, 86, 117 SBauVO
RäumungskonzeptBetriebGesonderte Darstellung ab Schwellen (VS > 1.000 / Verkauf > 5.000 m²)§§ 42, 86 SBauVO
FeuerwehrpläneBetriebFür die örtliche Feuerwehr – parallel, rechtlich eigenständig§§ 42, 57, 86, 117 SBauVO
RettungswegplanBetriebAushang im Beherbergungsraum für Gäste – keine BSO§ 57 Abs. 2 SBauVO
BrandschutzkonzeptGenehmigungGroße Sonderbauten; enthält betriebliche Maßnahmen inkl. BSO§ 70 Abs. 2 BauO; BauPrüfVO § 9
SicherheitskonzeptBetriebOrdnungsdienst VS > 5.000 Plätze; kann Räumung enthalten§ 43 SBauVO

Wann die BSO Pflicht ist

Vier Fälle in der SBauVO NRW – alle anderen Nutzungen (normales Wohnen, Büro ohne Sonderbau-Merkmal, Garage, viele Schulen/Krankenhäuser ohne parallele Einschlägigkeit) haben aus diesen Paragraphen keine BSO-Pflicht. Schulen und Kliniken können Sonderbau sein – dann andere Regeln, nicht pauschal „rechtsfrei“: Sonderbauten geregelt/ungeregelt.

Versammlungsstätte Teil 1: BSO für alle erfassten Tatbestände (Versammlungsräume > 200 Besucher, Freianlagen, Stadien nach § 1 SBauVO) – mit Aushang. Ausnahmen § 1 Abs. 4 (Gottesdienst, Unterricht, Museum u. a.) prüfen.

Beherbergung: BSO ab mehr als 60 Gastbetten (§ 57 Abs. 3). Bei 13 bis 60 Betten: keine BSO nach Abs. 3, aber Rettungswegplan und Brandhinweise in jedem Beherbergungsraum (§ 57 Abs. 2). Unterweisung nach § 57 Abs. 4 gilt für Beherbergungsstätten des Teil 2 – bei Hotels ohne BSO-Pflicht bezieht sich „Brandschutzordnung“ in der Belehrung auf das organisatorische Regelwerk des Betriebs, nicht auf eine nach Abs. 3 zu erstellende BSO.

Verkaufsstätte Teil 3 ab mehr als 2.000 m² Verkaufsfläche (§ 60): BSO für alle Verkaufsstätten des Teil 3 (§ 86 Abs. 1). Räumungskonzept gesondert ab Verkaufsräumen > 5.000 m².

Hochhaus ab > 22 m Gebäudehöhe: BSO für alle Hochhäuser (§ 117 Abs. 1) – mit Aushang. Verantwortlich: Eigentümer/in (§ 118); Pflichten können schriftlich auf Betreiber/in übertragbar werden.

BSO-Pflicht nach Nutzung

BSO-Pflicht nach Nutzung
NutzungBSO?SchwelleAushang?Verantwortlich
Versammlungsstätte Teil 1Ja§ 1 SBauVOJaBetreiber/in
BeherbergungJa> 60 GastbettenBetreiber/in
Beherbergung 13–60 BettenNeinRettungswegplan § 57 Abs. 2Im Zimmer
Verkaufsstätte Teil 3Ja> 2.000 m² VerkaufsflächeBetreiber/in
HochhausJaHöhe > 22 mJaEigentümer/in
Sonstiges GebäudeNein

Was mindestens in die BSO muss

Das Gesetz nennt kein DIN-Format und keine Stufen A/B/C – nur Mindestinhalte je Sonderbau. In der Versammlungsstätte und im Verkauf: Erforderlichkeit und Aufgaben des Brandschutzbeauftragten bzw. der Selbsthilfekräfte; Räumungsmaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung von Menschen mit Behinderungen. Im Hochhaus zusätzlich explizit: Maßnahmen im Brandfall und Verhalten bei Brand.

§ 117 verweist auf „Brandschutzbeauftragte, sofern nach § 118 Abs. 1 erforderlich“ – im Gesetzestext so formuliert; die Bestellpflicht des BSB liegt in § 118 Abs. 2: BSB-Pflicht SBauVO.

Mindestinhalt – Vergleich der vier Paragraphen

Mindestinhalt – Vergleich der vier Paragraphen
Inhalt§ 42 VS§ 57 Hotel§ 86 Verkauf§ 117 Hochhaus
BSB / Kräfte für BrandschutzErforderlichkeit + AufgabenBSB + SelbsthilfeAufgaben, sofern § 118
Räumung / BehinderungenJaJaJa
Verhalten bei BrandÜber UnterweisungÜber UnterweisungIn BSOExplizit in BSO
Maßnahmen im BrandfallExplizit
Räumungskonzept gesondert> 1.000 Besucher> 5.000 m² VR

Einvernehmen, Aushang, Unterweisung

Alle vier Paragraphen verlangen die Aufstellung im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle – nicht allein durch den Betreiber. Das ist Verfahrensvoraussetzung, nicht bloße Höflichkeit.

Aushangpflicht: nur Versammlungsstätte (§ 42 Abs. 1) und Hochhaus (§ 117 Abs. 1). Verkauf und Hotel > 60 Betten: gesetzlich kein Aushang der BSO genannt – Unterweisung und organisatorische Umsetzung trotzdem Pflicht.

Unterweisung: bei Arbeitsbeginn und danach mindestens einmal jährlich über BSO, Brandverhalten, Löscheinrichtungen und Alarmierung (§ 42 Abs. 2; § 57 Abs. 4; § 86 Abs. 2). Nur Versammlungsstätte: Niederschrift über Unterweisung, Bauaufsichtsbehörde auf Verlangen; Brandschutzdienststelle darf teilnehmen.

Parallel und zusätzlich prüfen: Feuerwehrpläne in denselben vier Fällen – eigenständige Pflicht, kein Ersatz für die BSO.

Brandschutzkonzept und Betrieb

Bei großen Sonderbauten ist mit den Bauvorlagen ein Brandschutzkonzept einzureichen (§ 70 Abs. 2 BauO). BauPrüfVO § 9 verlangt darin betriebliche Maßnahmen – Brandschutzordnung, Räumung, Räumungssignale. Das adressiert die BSO schon in der Planung.

Die SBauVO-Betriebspflichten gelten zusätzlich im laufenden Betrieb – unabhängig davon, ob das Konzept bereits eine BSO skizziert hat. Konzept, Genehmigungsauflage und §-42/57/86/117-Pflicht müssen zusammenpassen, sind aber verschiedene Rechtsebenen.

Bestand und Übergangsfristen

Bestandsregelungen

Bestandsregelungen
NutzungNormFrist / Hinweis
Versammlungsstätte§ 45 SBauVO§ 42 Abs. 1–2 innerhalb von 2 Jahren umsetzen
Verkaufsstätte§ 90 SBauVO§ 86 Abs. 1–2 innerhalb von 2 Jahren umsetzen
Beherbergung§ 58 SBauVO§ 57 anwendbar; BSO folgt aus laufendem Betrieb
Hochhaus§ 119 SBauVOBetriebsvorschriften ein Jahr nach Inkrafttreten auf Bestand

Grenzfälle – ja oder nein?

Grenzfall ja: Konzertsaal 350 Plätze – BSO + Aushang + Feuerwehrpläne; ab 1.001 Besucher zusätzlich Räumungskonzept (sofern nicht im Sicherheitskonzept § 43).

Grenzfall nein: Hotel 48 Gastbetten – keine BSO nach § 57 Abs. 3; Rettungswegplan pro Zimmer Pflicht; jährliche Unterweisung des Personals dennoch.

Grenzfall ja: Einkaufsmarkt 2.400 m² – BSO mit BSB-Aufgaben und Selbsthilfe; Feuerwehrpläne parallel.

Grenzfall nein: Bürogebäude GK 4 ohne Sonderbau-Tatbestand – keine SBauVO-BSO; ASR A2.3-Fluchtpläne und ggf. DGUV-Organisation sind andere Ebenen.

Grenzfall ja: Wohnhochhaus 24 m – BSO + Aushang; BSB nur wenn § 118 Abs. 2 greift (nicht bei Ausnahme 30 m / 200 m² NE).

Grenzfall offen: Schule mit Versammlungsstätten-Charakter (Aula > 200) – Teil 1 prüfen; sonst ungeregelt Sonderbau ohne diese BSO-Paragraphen.

Typische Betriebsfälle

Neueröffnung Eventlocation: BSO im Einvernehmen mit Brandschutzdienststelle, Aushang sichtbar, Unterweisung Personal mit Niederschrift, Feuerwehrpläne an örtliche Feuerwehr – vor erstem Ticketverkauf.

Hotelumbau von 55 auf 65 Betten: ab Überschreitung 60 Gastbetten BSO + Feuerwehrpläne neu; Rettungswegpläne in Zimmern bleiben parallel.

Shopping-Center 6.000 m² Verkaufsfläche: BSO plus gesondertes Räumungskonzept; BSB und Selbsthilfekräfte in BSO verankern.

WEG Hochhaus: Eigentümergemeinschaft verantwortlich für BSO-Aushang; Facility Manager kann Pflichten übernehmen, wenn schriftlich und mit Gebäudekenntnis.

Prüfkatalog

Brandschutzordnung – gesetzliche Prüfpunkte

Brandschutzordnung – gesetzliche Prüfpunkte
Nr.FrageErgebnis
1Sonderbau mit § 42/57/86/117?Ohne Treffer: keine SBauVO-BSO
2Versammlungsstätte Teil 1?BSO + Aushang; Räumungskonzept ab > 1.000
3Beherbergung > 60 Gastbetten?BSO Pflicht; ≤ 60: Rettungswegplan
4Verkauf > 2.000 m²?BSO; Räumungskonzept ab > 5.000 m² VR
5Hochhaus > 22 m?BSO + Aushang
6Einvernehmen Brandschutzdienststelle?Voraussetzung für rechtmäßige BSO
7Aushang (VS / Hochhaus)?Pflicht prüfen
8Jährliche Unterweisung?§ 42/57/86 – Niederschrift nur VS
9Mindestinhalt BSB, Räumung, Behinderungen?Je nach Paragraph
10Feuerwehrpläne parallel?Eigenständige Pflicht
11Bestand – 2-Jahres-Frist abgelaufen?§ 45 / § 90
12Verwechslung mit Konzept oder DIN 14096?Getrennte Ebenen

Grenzen

Dieser Ratgeber erklärt die gesetzliche BSO-Pflicht nach BauO NRW, SBauVO NRW und BauPrüfVO NRW – ohne DIN 14096, VFDB-Muster oder VV TB. Wie eine BSO inhaltlich gegliedert wird, klären Brandschutzdienststelle und Genehmigung. Praxisstandard DIN 14096 und Betriebshilfe DGUV: BSB bestellen, Escape Room BSO-Praxis. Ersetzt keine behördliche Einordnung.

Häufige Fragen

Braucht jedes Gebäude eine Brandschutzordnung?
Nein. Eine allgemeine BSO-Pflicht steht nicht in der BauO NRW. Gesetzlich verbindlich sind BSO nach §§ 42, 57 Abs. 3, 86 und 117 SBauVO – für Versammlungsstätten, Beherbergung > 60 Gastbetten, Verkaufsstätten > 2.000 m² und Hochhäuser > 22 m.
Ist DIN 14096 gesetzlich Pflicht?
Nein. DIN 14096 (Teil A/B/C) ist Praxisstandard zur Gliederung – nicht Rechtskern. Maßgeblich sind die Mindestinhalte in den SBauVO-Paragraphen und das Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle.
Was ist der Unterschied zur Feuerwehrplan-Pflicht?
BSO und Feuerwehrpläne werden oft in denselben vier Sonderbau-Fällen verlangt – aber rechtlich getrennt. Die BSO regelt Organisation und Verhalten; Feuerwehrpläne dienen der örtlichen Feuerwehr. Beides parallel prüfen.
Braucht ein Hotel mit 40 Betten eine BSO?
Nein nach § 57 Abs. 3. Ab 13 Betten gelten andere Pflichten (z. B. Sicherheitsbeleuchtung); in jedem Beherbergungsraum Rettungswegplan und Brandhinweise (§ 57 Abs. 2). BSO erst ab mehr als 60 Gastbetten.
Muss die BSO ausgehängt werden?
Gesetzlich ausdrücklich nur bei Versammlungsstätten (§ 42) und Hochhäusern (§ 117). Bei Verkauf und Hotel > 60 Betten: Unterweisungspflicht, aber kein Aushang der BSO im Gesetzestext genannt.
Wann brauche ich ein Räumungskonzept?
Gesondert bei Versammlungsstätten für mehr als 1.000 Besucher (§ 42) und bei Verkaufsräumen über 5.000 m² (§ 86) – sofern die Maßnahmen nicht bereits im Sicherheitskonzept nach § 43 stehen.
Reicht das Brandschutzkonzept aus der Genehmigung?
Nein als alleiniger Betriebsnachweis. Das Konzept adressiert die BSO in der Planung; die SBauVO-Betriebspflichten gelten zusätzlich im laufenden Betrieb – inklusive Einvernehmen, Unterweisung und ggf. Aushang.
Wer ist verantwortlich?
Versammlungsstätte, Beherbergung, Verkauf: Betreiber/in oder Beauftragte. Hochhaus: Eigentümer/in (§ 118); schriftliche Übertragung auf Betreiber/in möglich, Verantwortung Eigentümer bleibt.

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