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H&S+ Brandschutz Köln

H&S+ Köln – BrandschutzStand: 08.03.2025

Verzinkte Sprinkler-Rohre: Wasserstoffgefahr bei Wartung und Umbau

Innenverzinkte Rohrleitungen in Nass-Sprinklergruppen können Wasserstoff bilden – mit Verpuffungsrisiko bei Entleerung, Anbohrung und Umbau. Was VdS 3891 (2025) für Planer, Errichter und Betreiber bedeutet.

Warum das Thema 2025 wieder auf dem Tisch liegt

Sprinkleranlagen gelten als zuverlässige Löschanlage – doch Umbauten, Erweiterungen und Wartung am Rohrnetz gehören zum Alltag. Vor Entleerung und Montagearbeiten müssen betroffene Gruppen leer sein. Genau in dieser Phase sind in Skandinavien, Deutschland und Südkorea mehrere Unfälle mit Personenschäden aufgetreten – häufig Verpuffungen beim Setzen von Anbohrschellen.

Die Ursache konnte in vielen Fällen auf Wasserstoff in innenverzinkten Rohrnetzen zurückgeführt werden. Das überarbeitete VdS-Merkblatt 3891 (Ausgabe 2025-02, gültig ab 01.02.2025) fasst den aktuellen Kenntnisstand zusammen: chemische Hintergründe, Messergebnisse an Bestandsanlagen und Maßnahmen zum Personenschutz. Es ersetzt die Fassung von 2021.

Zielgruppe sind Planer, Errichter und Betreiber wasserbasierter Löschanlagen – nicht nur Neubau, sondern vor allem Bestand mit unbekanntem Rohrmaterial. Grenzfall ja: Errichter plant Nassgruppe mit schwarzem Stahlrohr hinter dem Nassalarmventil. Grenzfall nein: Bestandsanlage mit hohem Anteil innenverzinkter Leitungen – Umbau ohne Freimessen und ohne Unterweisung der Monteure.

Wann mit Wasserstoff zu rechnen ist

Nachgewiesene Unfälle betrafen bisher Nassgruppen mit innenverzinkten Rohrleitungen. Trockengruppen können ebenfalls erhöhte Gaskonzentrationen zeigen – dort wurden aber stets nicht unerhebliche Restwassereinschlüsse festgestellt.

Bei Messkampagnen an rund 170 Sprinklergruppen stieg die Gaskonzentration mit dem Anteil verzinkter Rohre. In Nassanlagen war der Trend deutlich steiler als in Trockenanlagen. Konzentrationen am Deckenrohrnetz lagen meist höher als an der 2-Zoll-Entlehrung am Alarmventil – außer wenn die Alarmventilstation selbst der höchste Punkt war.

Bei Nassanlagen mit mindestens 40 Prozent verzinkten Rohrleitungen wurde in etwa drei Viertel der Fälle die Hälfte der unteren Explosionsgrenze (UEG) für Wasserstoff überschritten, in zwei Drittel die UEG selbst. Bei Trockengruppen lag der Anteil bei etwa 6 bzw. 3 Prozent. Ab etwa 4 Vol.-% Wasserstoff in Luft entsteht ein entzündbares Gemisch.

Wasserstoff ist geruchlos und farblos. Zündquellen bei Arbeiten: Akkuschrauber und Bohrmaschinen, Kompressoren, Schaltschränke, glimmende Zigaretten. Im Normalbetrieb ohne Wartung sind VdS Schadenverhütung keine Schadensfälle bekannt – die Gefahr liegt in Wartung, Entleerung und Umbau.

Chemie: Zinkkorrosion und Wasserstoffbildung

Innenverzinktes Stahlrohr soll Korrosion verlangsamen – in Sprinkler-Nassgruppen zeigt die Praxis ein anderes Bild. Steht Zink dauerhaft in Wasser, läuft zunächst eine Redox-Reaktion mit gelöstem Sauerstoff ab. Ist der Sauerstoff verbraucht, setzt Wasserstoffkorrosion ein: Elektronen reagieren mit Wassermolekülen zu Wasserstoff. Die Menge hängt von der Korrosionsgeschwindigkeit ab – nicht schlagartig, sondern über längere Zeit.

Einflussfaktoren laut VdS 3891:

  • pH-Wert – bei neutralem und leicht saurem Wasser deutlich höhere Korrosionsrate als bei pH 10–11; Wasserstoffbildung startet in sauren Lösungen früher
  • Wasserhärte – weiches Wasser (typisch Nordeuropa) begünstigt schnellere Korrosion; Calciumcarbonatschichten in härterem Wasser bremsen
  • Temperatur – nach RGT-Regel verdoppelt sich die Reaktionsgeschwindigkeit etwa alle 10 °C
  • Stagnation – in Strang- und Verteilerleitungen lokaler Lochfraß; in Druckleitungen mit wöchentlichem Wasseraustausch eher gleichmäßige Korrosion
  • Salze und Leitfähigkeit – Chloridionen und hohe Leitfähigkeit beschleunigen Korrosion
  • Oberfläche und Anteil verzinkter Rohre – größeres Netz, mehr potenzieller Wasserstoff

Planung und Neubau: VdS CEA 4001

Freiverlegte Rohrleitungen sind in Stahl oder mit VdS-geprüften Rohrsystemen auszuführen. Von innenverzinkten Rohrleitungen hinter Nassalarmventilstationen wird in VdS CEA 4001 (2024-01) explizit abgeraten – die Anmerkungen gelten unverändert seit 2021.

Verzinktes Stahlrohr wird auch für Trockenrohrnetze nicht empfohen, weil die Korrosionsrate steigen kann. Rohrverbindungselemente, Deckenadapter und Formteile sind von diesem Verbot nicht betroffen und dürfen weiter eingesetzt werden.

FM Global verbietet verzinkte Rohre in Nassgruppen bereits seit 2016/2022 in den Data Sheets DS 2-1. International tendieren mehrere Gremien zu Verbot oder starken Einschränkungen. Ein generelles Verbot innenverzinkter Rohre in Nassanlagen könnte folgen – VdS und www.vds.de beobachten.

Grenzfall ja: Neubau mit dokumentiertem schwarzem Stahlrohr, keine verzinkten Strang- und Verteilerleitungen hinter dem Nassalarmventil. Grenzfall nein: „Verzinkung hält länger“ als Argument für Nassgruppe – Korrosionsschutz und Wasserstoffrisiko sind getrennt zu bewerten.

Personenschutz bei Arbeiten am Bestandsrohrnetz

Das Merkblatt ist Informationsquelle, kein Handlungsleitfaden zur Einstellung von Wasserqualität. Dennoch nennt VdS 3891 konkrete Maßnahmen, die international bereits angewendet werden:

  • Freimessen mit Gasdetektor (Wasserstoff-UEG) vor Arbeitsbeginn – Messung an 2-Zoll-Entlehrung am Alarmventil und am geplanten Arbeitsort (Entlehrung, Spülanschluss oder höchster Sprinkler)
  • Ausreichende Ventilation beim Entleeren; in engen Räumen (Sprinklerzentrale, Hebeanlage) besondere Vorsicht – zwei Explosionen in Südkorea bei Ableitung in Hebeanlagen
  • Zündquellen fernhalten, Rauchverbot; explosionsgeschützte Werkzeuge oder Verzicht auf Schlagschrauber bei kleineren Arbeiten
  • Besondere Vorsicht beim Bohren für Anbohrschellen – hier spielten sich die meisten deutschen Vorfälle ab
  • Monteure über Personengefährdung informieren; Gefährdungsbeurteilung je Anlage
  • Nach nachgewiesener Wasserstoffbildung: regelmäßiges Entleeren und Befüllen durch anerkannte Errichterfirmen, um Sauerstoffkorrosion zu begünstigen – nur ohne Zündquellen

Betrieb, Drucküberwachung und Dokumentation

Wasserstoffbildung geht oft mit Druckerhöhung im Rohrnetz einher – ein Indiz, aber kein sicherer Nachweis. Erhöhte Drücke können zulässige Werte von Verbindungen und Pressfittings überschreiten; Undichtigkeiten an Dichtungen sind frühe Anzeichen. Überdruckventile nach VdS CEA 4001 Abschnitt 13.8 können Druck abbauen, beseitigen aber nicht die Ursache.

Bei Rückschlagklappen in mehrstöckigen Gebäuden ist der Druck hinter den Klappen oft nicht am C-Manometer ablesbar. Sinnvoll: wöchentliche Druckkontrolle über Nassgruppen mit verzinkten Rohren (Ergänzung zur Betreiberkontrolle), absperrbare Manometer an Hochpunkten hinter Rückflussverhinderern, Gasentlehrungen nach außen wo möglich.

Anlagendokumentation sollte Rohrmaterial und Anteil verzinkter Leitungen festhalten. Bei Umbauten (Sprinkler und Trockenbau, Nutzungsänderungen) vor Arbeiten Klärung mit Errichter oder Sachverständigem. Technische Prüfungen und Fristen: Sprinkler-Prüffristen.

pH-Messung des Löschwassers kann Hinweise geben – Einstellung auf hohen pH-Wert birgt Risiken für Haut und Dichtungen und ist kein Standardwerkzeug für Betreiber.

Abgrenzung und Praxis

Kein Massenphänomen im Dauerbetrieb, aber hohes Schadenspotenzial bei Fehlhandlung. Korrosionsschaden und Wasserstoff sind verschiedene Problemfelder: verzinkte Rohre können früher korrodieren als erwartet und gleichzeitig Wasserstoff bilden.

Heißarbeiten am Rohrnetz oder in Nachbarschaft erfordern ohnehin Erlaubnisschein und Brandwache – siehe Heißarbeiten. Wasserstoffgefahr kommt zusätzlich, unabhängig von Funken bei Schweißen.

Bei Sonderbauten mit Sprinklerpflicht gehören Wartungsorganisation und Mängel aus Prüfberichten in die Gesamtbewertung – siehe Sonderbau-Prüfung. Dieser Ratgeber ersetzt weder Errichterplanung noch Sachverständigenbericht.

Grenzen

Dieser Ratgeber fasst VdS 3891:2025-02 und die CEA-4001-Anmerkungen zusammen – kostenloser Download über shop.vds.de. Technische Untersuchungen laufen weiter; das Merkblatt wird voraussichtlich erneut überarbeitet. Er ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung, keine Errichterleistung und keine behördliche Einordnung. Im Zweifel zuständige Stelle und Fachfirma konsultieren.

Häufige Fragen

Sind nur Nass-Sprinklergruppen betroffen?
Nachgewiesene Unfälle betrafen Nassgruppen mit innenverzinkten Rohren. In Trockengruppen wurden erhöhte Konzentrationen nur mit Restwassereinschlüssen gemessen. Das Risiko ist in Nassanlagen wesentlich höher.
Entsteht Wasserstoff auch im Normalbetrieb ohne Wartung?
Wasserstoff kann sich über Zeit im Rohrnetz ansammeln. Bekannte Personenschäden traten bei Entleerung, Anbohrung und Umbau auf – nicht beim ungestörten Betrieb mit geschlossenem Netz.
Dürfen innenverzinkte Rohre in Neubau-Nassgruppen noch verbaut werden?
VdS CEA 4001 rät explizit ab. FM Global und internationale Stellen tendieren zu Verboten. Für Neubau schwarzes Stahlrohr oder VdS-anerkannte Systeme planen – nicht innenverzinkte Strang- und Verteilerleitungen hinter dem Nassalarmventil.
Was ist vor dem Anbohren einer Anbohrschale zu tun?
Gruppe entleeren, lüften, mit Gasdetektor am Arbeitsort freimessen, Zündquellen vermeiden, explosionsgeschützte Werkzeuge erwägen. Anbohrungen waren häufige Unfallort in Deutschland.
Hilft ein Druckanstieg am Manometer als sicherer Nachweis?
Druckerhöhung kann auf Wasserstoff hindeuten, bestätigt ihn aber nicht – Temperatur und andere Ursachen sind möglich. Umgekehrt kann Druck hinter Rückschlagklappen ohne sichtbares Manometer nicht beurteilt werden.
Wer darf betroffene Gruppen entleeren und wieder befüllen?
Regelmäßiges Entleeren zur Begünstigung der Sauerstoffkorrosion nur durch ausgebildetes Personal bzw. anerkannte Errichterfirmen – mit Freimessen und ohne Zündquellen.

Weitere Ratgeber: Umbau & Nutzungsänderung

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