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H&S+ Brandschutz Köln

H&S+ Köln – BrandschutzStand: 29.10.2024

Feuerwehrpläne: wann das Gesetz sie verlangt – und wann nicht

Die BauO NRW kennt keine Feuerwehrplan-Pflicht. Gesetzlich verlangt die SBauVO NRW Feuerwehrpläne nur in vier Nutzungen – mit unterschiedlichen Schwellen. Übersicht mit Verfahren, Abgrenzung und Prüfkatalog.

Pflicht in jedem Sonderbau? Nein – nur in vier SBauVO-Fällen

Bei Brandschutznachweisen und Brandschau-Mappe tauchen Feuerwehrpläne fast überall auf – viele Planer gehen deshalb von einer allgemeinen Gesetzespflicht aus. Im Landesrecht NRW ist das enger gefasst.

Die BauO NRW verlangt in § 14 wirksame Löscharbeiten und regelt in §§ 33 bis 36 Rettungswege – ohne eine Vorschrift zu Feuerwehrplänen. Gesetzliche Pflichten ergeben sich ausschließlich aus der SBauVO NRW in vier Betriebsvorschriften.

Überall gilt dieselbe Rechtsfolge: Feuerwehrpläne sind im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle anzufertigen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. Für Krankenhäuser, Schulen, Büros, Garagen und die meisten übrigen Sonderbauten gibt es in der SBauVO NRW keine Feuerwehrplan-Pflicht.

Verfahren: Einvernehmen und Zurverfügungstellung

Das Gesetz definiert „Feuerwehrplan“ nicht und nennt keinen Inhaltskatalog (Geschosse, Symbole, Maßstab, Anzahl Planblätter). Umfang und Ausgestaltung ergeben sich aus dem Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle. Übermittlungsweg und Aktualisierung regelt der Gesetzestext nicht näher – die Pflicht besteht ab Betrieb der Anlage.

DIN 14095, FwDV oder Muster-Feuerwehrpläne sind Ausführungstechnik – nicht Grundlage dieser gesetzlichen Übersicht.

  • § 14 BauO NRW – Brandschutz allgemein: kein Tatbestand „Feuerwehrplan“
  • §§ 33–36 BauO NRW – Rettungswege: baulicher Nachweis, keine Planpflicht für die Feuerwehr
  • SBauVO NRW – Betriebspflichten in §§ 42, 57, 86, 117
  • BHKG NRW § 25 – Brandschutzdienststelle wahrnimmt Belange des Brandschutzes in Genehmigung und nach baurechtlichen Vorschriften

Vier Nutzungen – vier Paragraphen

Beherbergung: Teil 2 SBauVO gilt ab mehr als 12 Gastbetten – Feuerwehrpläne aber erst ab mehr als 60 Gastbetten. Hotels mit 13 bis 60 Betten haben andere Pflichten (z. B. Rettungswegplan im Beherbergungsraum § 57 Abs. 2), aber keinen Feuerwehrplan nach § 57 Abs. 3.

Wann Feuerwehrpläne baurechtlich Pflicht sind

Wann Feuerwehrpläne baurechtlich Pflicht sind
Nutzung / GebäudetypSchwelle (SBauVO)Pflicht?NormVerantwortlich
VersammlungsstätteTeil 1: VR > 200 Pers.; Freianlagen; Stadien > 5.000 (§ 1 SBauVO)Ja – ohne weitere Größenschwelle in § 42§ 42 SBauVOBetreiber(in) oder Beauftragte
BeherbergungsstätteTeil 2 ab > 12 Gastbetten; Feuerwehrplan erst ab > 60 GastbettenJa – nur > 60 Gastbetten§ 57 Abs. 3 SBauVOBetreiber(in) oder Beauftragte
VerkaufsstätteTeil 3: Verkaufsfläche > 2.000 m² (§ 60 SBauVO)Ja – alle erfassten Verkaufsstätten§ 86 SBauVOBetreiber(in)
HochhausGebäudehöhe > 22 m (§ 50 Abs. 2 Nr. 1 BauO NRW)Ja – alle Hochhäuser§ 117 Abs. 2 SBauVOEigentümer(in); ggf. Betreiber(in)
Garagen, Krankenhäuser, Schulen, Büros, übrige SonderbautenNein (in SBauVO nicht geregelt)

§ 42 SBauVO – Versammlungsstätten

Teil 1 gilt bei Versammlungsräumen für mehr als 200 Besucher, Freianlagen mit Szenenflächen/Tribünen für mehr als 1.000 bzw. 5.000 Besucher, Sportstadien für mehr als 5.000 Besucher. Ausnahmen § 1 Abs. 4: Gottesdiensträume, Schulunterrichtsräume, Museumsausstellungsräume, Fliegende Bauten.

Im selben Paragraphen stehen vor der Feuerwehrplan-Pflicht die Pflicht zur Brandschutzordnung und ggf. zum Räumungskonzept (Abs. 1) – rechtlich getrennte, aber zusammenhängende Betriebspflichten.

Räumungskonzept gesondert bei Versammlungsstätten für mehr als 1.000 Besucher (§ 42 Abs. 1 Satz 2), sofern nicht im Sicherheitskonzept nach § 43. Sicherheitskonzept Pflicht bei mehr als 5.000 Besucherplätzen (§ 43).

Bestehende Versammlungsstätten: Kapitel 4 einschließlich § 42 ist anwendbar. Brandschutzordnung und organisatorische Maßnahmen nach § 42 Abs. 1 und 2 sind innerhalb von zwei Jahren umzusetzen (§ 45 SBauVO). Die Feuerwehrplan-Pflicht folgt aus dem laufenden Betrieb nach § 42.

  • Wortlaut: Im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle sind Feuerwehrpläne anzufertigen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.

§ 57 SBauVO – Beherbergungsstätten

Für Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten sind im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle eine Brandschutzordnung zu erstellen und Feuerwehrpläne anzufertigen, die der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen sind (§ 57 Abs. 3).

§ 57 Abs. 2 – verwandte, aber andere Pflicht: In jedem Beherbergungsraum sind an dessen Ausgang ein Rettungswegplan und Hinweise zum Verhalten bei einem Brand anzubringen. Das gilt in jeder Beherbergungsstätte des Teil 2 – unabhängig von der 60-Gastbetten-Schwelle. Rettungswegplan für Gäste ≠ Feuerwehrplan für die Feuerwehr.

Beherbergungen mit 13 bis 60 Gastbetten: keine Feuerwehrplan-Pflicht nach § 57 Abs. 3, aber Teil 2 SBauVO gilt dennoch (z. B. Sicherheitsbeleuchtung § 54 ab mehr als 12 Betten).

Mehr zur Nutzung: Beherbergungsstätten.

§ 86 SBauVO – Verkaufsstätten

Teil 3 ab mehr als 2.000 m² Verkaufsfläche (§ 60 SBauVO). Vorangehend in § 86 Abs. 1: Pflicht zur Brandschutzordnung; Räumungskonzept gesondert bei Verkaufsräumen mit mehr als 5.000 m². Feuerwehrplan-Pflicht gilt für alle Verkaufsstätten des Teil 3 – ohne zusätzliche Flächenschwelle innerhalb des § 86.

§ 90 SBauVO: §§ 83–86 gelten auch für bestehende Verkaufsstätten.

Wortlaut: Im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle sind Feuerwehrpläne anzufertigen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.

§ 117 SBauVO – Hochhäuser

Alle Hochhäuser (Gebäudehöhe > 22 m). § 117 Abs. 1: Brandschutzordnung im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle aufstellen und durch Aushang bekannt machen. § 117 Abs. 2: Feuerwehrpläne im Einvernehmen anfertigen und der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung stellen.

Verantwortlich für die Einhaltung: Eigentümerin/Eigentümer (§ 118 Abs. 1); Pflichten können schriftlich auf Betreiberin/Betreiber übertragen werden (§ 118 Abs. 3). Brandschutzbeauftragte ab bestimmter Größe/Nutzung (§ 118 Abs. 2) – gesonderte Pflicht, nicht identisch mit Feuerwehrplan. Gesetzliche Bestellpflicht: Brandschutzbeauftragter SBauVO.

Vertiefung: Hochhaus SBauVO.

Kein Feuerwehrplan – aber verwandte Pflichten

Abgrenzung der Planarten im Betrieb: Flucht- vs. Feuerwehrplan. Gesetzliche Brandschutzordnung: BSO Pflicht SBauVO. Sicherheitsbeleuchtung – separates Thema: Sicherheitsbeleuchtung.

Abgrenzung zu anderen Planarten und Konzepten

Abgrenzung zu anderen Planarten und Konzepten
InstitutNormAbgrenzung
Rettungswegplan (Beherbergungsraum)§ 57 Abs. 2 SBauVOAushang für Gäste – in jeder Beherbergungsstätte Teil 2, unabhängig von 60-Gastbetten-Schwelle
Brandschutzordnung§§ 42, 57, 86, 117 SBauVOOrganisatorische Betriebsvorschrift – oft parallel, rechtlich eigenständig
Räumungskonzept§§ 42, 86 SBauVOAb Besucher-/Flächenschwellen – nicht dasselbe wie Feuerwehrplan
Brandschutzkonzept (Genehmigung)§ 54 Abs. 3 BauO NRWSonderbau im Genehmigungsverfahren – kein Ersatz für §-42/117-Betriebspflicht
Feuerwehrpläne im bautechnischen NachweisVO zum BauantragKann in Genehmigungen verlangt werden – andere Rechtsebene als SBauVO-Betriebspflicht
Flucht- und Rettungspläne (Arbeitsschutz)ASR A2.3Für Beschäftigte/Besucher – kein Feuerwehrplan, kein Gesetzestext BauO/SBauVO

Was das Gesetz nicht regelt

  • Kein Inhaltskatalog (Geschosse, Symbole, Maßstab, Anzahl Planblätter)
  • Keine Aktualisierungsfristen oder Prüfzyklen für Feuerwehrpläne
  • Keine Pflicht zur Aufbewahrung an einer bestimmten Stelle im Gebäude (anders als Brandschutzordnung: Aushang)
  • Keine explizite Ordnungswidrigkeit für fehlende Feuerwehrpläne in den genannten Paragraphen
  • Keine Legaldefinition „Feuerwehrplan“ in § 2 BauO oder SBauVO
  • Keine allgemeine Pflicht für Nicht-Sonderbauten in der BauO NRW
  • Keine DIN 14095, FwDV oder VV TB im Gesetzestext

Prüfkatalog

Feuerwehrpläne – gesetzliche Prüfpunkte

Feuerwehrpläne – gesetzliche Prüfpunkte
Nr.PrüffrageNormErgebnis
1Versammlungsstätte nach § 1 SBauVO (Teil 1)?§ 42 SBauVOFeuerwehrplan Pflicht – im Einvernehmen, örtlicher Feuerwehr
2Beherbergungsstätte mit > 60 Gastbetten?§ 57 Abs. 3 SBauVOJa – plus Brandschutzordnung
3Beherbergung mit 13–60 Gastbetten?§ 57 Abs. 2 SBauVOKein Feuerwehrplan – aber Rettungswegplan im Beherbergungsraum
4Verkaufsstätte mit > 2.000 m² Verkaufsfläche?§ 60; § 86 SBauVOFeuerwehrplan Pflicht
5Hochhaus (Höhe > 22 m)?§ 50 BauO; § 117 SBauVOFeuerwehrplan Pflicht (Abs. 2)
6Garage, Schule, Krankenhaus, Büro ohne obige Merkmale?Keine SBauVO-Feuerwehrplan-Pflicht
7Einvernehmen mit Brandschutzdienststelle hergestellt?§§ 42, 57, 86, 117 SBauVOVerfahrensvoraussetzung für rechtmäßige Anfertigung
8Pläne der örtlichen Feuerwehr vor?Wortlaut aller vier §§Rechtsfolge: zur Verfügung stellen
9Brandschutzordnung parallel vor?§§ 42, 57, 86, 117 SBauVOEigenständige Pflicht – zusätzlich prüfen
10VS > 1.000 / Verkauf > 5.000 m²?§ 42; § 86 SBauVOZusätzlich Räumungskonzept prüfen (nicht = Feuerwehrplan)
11Bestandsanlage vor Inkrafttreten SBauVO 2016?§§ 45, 58, 90 SBauVOBetriebspflichten gelten; ggf. Übergangsfristen für BSO (§ 45: 2 Jahre für § 42 Abs. 1–2)
12Wer ist verantwortlich?§§ 42, 57, 86, 118 SBauVOVS/Beherbergung/Verkauf: Betreiber(in); Hochhaus: Eigentümer(in), ggf. Betreiber(in)

Grenzen dieser Übersicht

Dieser Ratgeber fasst nur BauO NRW, SBauVO NRW und zur Einordnung BHKG NRW § 25 zusammen – ohne DIN 14095, FwDV, VO zum Bauantrag oder PrüfVO NRW. In Genehmigungsverfahren und Konzepten können Feuerwehrpläne zusätzlich verlangt werden; das ist eine andere Rechtsebene als die SBauVO-Betriebspflicht.

Technische Ausgestaltung und Aktualisierung nach Umbau: Pläne aktualisieren. FSD und Fluchtpläne: Feuerwehrplan & Fluchtpläne Köln.

Häufige Fragen

Schreibt die BauO NRW Feuerwehrpläne vor?
Nein. § 14 und §§ 33–36 BauO NRW enthalten keine Feuerwehrplan-Pflicht. Maßgeblich sind §§ 42, 57, 86 und 117 SBauVO NRW – jeweils nur für bestimmte Nutzungen.
Braucht jedes Hotel Feuerwehrpläne?
Nein. Feuerwehrpläne nach § 57 Abs. 3 SBauVO erst ab mehr als 60 Gastbetten. Bei 13 bis 60 Betten gilt der Rettungswegplan im Beherbergungsraum (§ 57 Abs. 2), aber kein Feuerwehrplan.
Gilt die Pflicht für Krankenhäuser oder Schulen?
Nicht aus den untersuchten SBauVO-Paragraphen. Weder Teil Krankenhaus noch Schul-Sonderbau enthält eine Feuerwehrplan-Betriebspflicht – sofern keine parallele Einschlägigkeit (z. B. Versammlungsstätte, Hochhaus) vorliegt.
Was bedeutet „im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle“?
Anfertigung und inhaltliche Abstimmung mit der Brandschutzdienststelle nach BHKG NRW § 25 – nicht alleinige Entscheidung des Betreibers. Umfang und Ausgestaltung der Pläne ergeben sich daraus.
Ist der Feuerwehrplan dasselbe wie der Fluchtplan?
Nein. Feuerwehrpläne dienen der örtlichen Feuerwehr (SBauVO-Betriebspflicht in vier Fällen). Flucht- und Rettungspläne nach ASR A2.3 dienen Beschäftigten und Besuchern – separates Regelwerk.
Wer ist im Hochhaus verantwortlich?
Eigentümerin/Eigentümer (§ 118 Abs. 1 SBauVO); Pflichten können schriftlich auf Betreiberin/Betreiber übertragen werden (§ 118 Abs. 3).
Regelt das Gesetz DIN 14095?
Nein. Inhalt, Symbole, Maßstab und Prüfzyklen stehen nicht im Gesetzestext – technische Regeln sind separat.

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