Brandlasten im notwendigen Flur: was das Gesetz regelt – und was nicht
Mülltonnen, Fahrräder, Dekoration im Hausflur: Viele glauben, das verbietet die BauO pauschal. Tatsächlich steuert das Gesetz Brandlasten funktional – gebundene Baustoffe ja, bewegliche Gegenstände erst in der SBauVO bei Sonderbauten.
Darf im Flur abgestellt werden? Das Gesetz ist enger als die Hausordnung
In Mehrfamilienhäusern, Büros und Gewerbeobjekten ist der Streit um Mülltonnen, Fahrräder und Kartons im Flur alltäglich. Viele Planer und Betreiber gehen von einer pauschalen Bauordnungspflicht aus, den Flur „brandlastfrei“ zu halten – mit Brandlasttabellen oder MJ/m².
Im Landesrecht NRW ist das anders strukturiert: Der Begriff „Brandlast“ ist für notwendige Flure weder definiert noch als Kennzahl geregelt. Das Gesetz steuert Brandlasten funktional über die Nutzbarkeit als Rettungsweg (§ 36 Abs. 1 BauO NRW) und über Baustoffanforderungen an fest eingebaute Bestandteile (§ 36 Abs. 6, § 26 BauO NRW).
Bewegliche Gegenstände – Dekorationen, Abstellungen, Hindernisse – regelt die BauO für notwendige Flure nicht allgemein. Konkrete Verbote und Freihaltungspflichten stehen in der SBauVO NRW bei bestimmten Sonderbauten im Betrieb.
§§ 40, 41 – Leitungs- und Lüftungsanlagen in Flurwänden
§ 44 – Abfall nur in dafür bestimmten, abgeschotteten Räumen (GK 3–5)
SBauVO NRW – bewegliche Brandlast und Freihalten nur bei Sonderbauten im Betrieb
Normkette vom Rettungsweg zur Brandlast
§ 33 BauO NRW – Rettungswege aus Aufenthaltsräumen; ohne Rettungsweg-Funktion kein notwendiger Flur und keine §-36-Materialanforderungen.
§ 36 Abs. 1 – Oberziel: weder fest eingebaute noch bewegliche Stoffe dürfen den Fluchtweg so gefährden, dass die Nutzbarkeit im Brandfall verfehlt wird.
§ 36 Abs. 6 – Spezialnorm für Bekleidungen, Putze, Unterdecken, Dämmstoffe und Fußbodenbeläge im notwendigen Flur.
§§ 40, 41 – Leitungen in Fluren nur unter engen Voraussetzungen; Lüftungsleitungen aus nichtbrennbaren Baustoffen (Regelfall).
SBauVO NRW – bewegliche Brandlast wird dort ausdrücklich adressiert, wo erhöhtes Risiko und Betriebsverantwortung bestehen.
Gebundene Brandlast – § 36 Abs. 6 BauO NRW
In notwendigen Fluren sowie in offenen Gängen nach § 36 Abs. 5 müssen Bekleidungen, Putze, Unterdecken und Dämmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Wände und Decken aus brennbaren Baustoffen brauchen eine Bekleidung aus nichtbrennbaren Baustoffen in ausreichender Dicke. Fußbodenbeläge müssen mindestens schwerentflammbar sein.
Die Norm betrifft den fest eingebauten Flurkörper – Wände, Decke/Unterdecke, Boden – nicht bewegliche Einrichtungsgegenstände.
§ 36 Abs. 2 knüpft die Breite an den größten zu erwartenden Verkehr, nicht an eine Brandlast-Tabelle. Abgestellte Gegenstände, die die nutzbare Breite verringern, werden nicht ausdrücklich verboten – das Schutzziel folgt aus Abs. 1.
§ 36 Abs. 4 Satz 4: Öffnungen zu Lagerbereichen im Kellergeschoss müssen feuerhemmende, dicht und selbstschließende Abschlüsse haben. Das Gesetz behandelt Lager mit erhöhter Brandlast als gefährliche Nachbarn des Flurs – nicht Lagerung im Flur selbst.
Abfall, Leitungen, Lager – Schnittstellen BauO
§ 44 BauO NRW: Feste Abfallstoffe dürfen innerhalb von Gebäuden vorübergehend aufbewahrt werden; in Gebäuden der GK 3 bis 5 nur in dafür bestimmten Räumen mit Trennwänden und Decken wie tragende Wände, feuerhemmenden Abschlüssen, Entleerung vom Freien und ständiger Lüftung. Abfall = bewegliche Brandlast – das Gesetz verlangt eigene, abgeschottete Räume, nicht die Aufbewahrung in notwendigen Fluren.
§ 40 Abs. 2: Leitungsanlagen in notwendigen Fluren nur zulässig, wenn Nutzung als Rettungsweg im Brandfall ausreichend lang möglich ist.
§ 41 Abs. 2: Lüftungsleitungen sowie Bekleidungen und Dämmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen (Regelfall).
§ 49 BauO NRW („erhöhte Brandlast“ für Löschwasser) und § 65 SBauVO („Brandlasten freigehalten“ auf Ladenstraßen) haben keinen Bezug zu notwendigen Fluren allgemein.
Bewegliche Gegenstände – was die BauO nicht sagt
Für normale Gebäude ohne SBauVO-Betriebspflichten regelt das Landesrecht die bewegliche Brandlast in notwendigen Fluren nicht ausdrücklich. Das funktionale Schutzziel aus § 36 Abs. 1 bleibt – Hausordnung und Arbeitsschutz sind separate Ebenen.
Kein allgemeines Verbot, Gegenstände in notwendigen Fluren abzustellen
Kein Verbot von Mülltonnen, Fahrrädern, Möbeln oder Lagerung im Flur im Wortlaut
Kein Begriff „Hindernis“ in der BauO für notwendige Flure
Keine Legaldefinition „Brandlast“ oder Brandlastdichte (MJ/m²) für Flure
Kein Katalog brennbarer Gegenstände, die im Flur stehen dürfen oder nicht
SBauVO NRW – bewegliche Brandlast im Betrieb
§ 83 SBauVO NRW (Verkaufsstätten) ist die einzige ausdrückliche Flur-Regel zur beweglichen Brandlast: weder Dekorationen noch abgestellte Gegenstände in notwendigen Fluren, Treppenraumerweiterungen und notwendigen Treppenräumen. Verstoß kann ordnungswidrig sein (§ 91 SBauVO i. V. m. § 86 Abs. 1 Nr. 20 BauO NRW).
§ 57 SBauVO: Rettungswege frei von Hindernissen – notwendige Flure sind Teil der Rettungswege. § 116 SBauVO (Hochhaus): Rettungswege ständig frei; in Vorräumen und notwendigen Treppenräumen keine abgestellten Gegenstände – Abs. 1 erfasst Flure als Rettungsweg-Teil.
§ 33 SBauVO: Ausschmückungen in notwendigen Fluren nur aus nichtbrennbarem Material, fest angebracht. § 34: brennbares Material nur in Magazinen. § 140 SBauVO: Kraftfahrzeuge in Fluren und Kellergängen verboten – gilt für Flure allgemein, nicht nur notwendige.
Sonderbauten – gebundene und bewegliche Brandlast im Flur
Sonderbauten – gebundene und bewegliche Brandlast im Flur
Sonderbau
Gebunden (Baustoffe)
Beweglich / Freihalten
Norm
Allgemein (nur BauO)
§ 36 Abs. 6: nichtbrennbar / schwerentflammbar
Keine ausdrückliche Regel zu Gegenständen
BauO NRW
Verkaufsstätte
§ 72: Flurwände ggf. feuerbeständig
Keine Dekorationen, keine abgestellten Gegenstände in notwendigen Fluren
Feuerhemmende, dicht- und selbstschließende Abschlüsse
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Normales Büro-/Wohngebäude – Fahrräder/Möbel im Hausflur?
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Keine ausdrückliche BauO/SBauVO-Regel; nur § 36 Abs. 1 Schutzziel
Grenzen dieser Übersicht
Dieser Ratgeber fasst nur BauO NRW und SBauVO NRW zusammen – ohne VV TB, DIN-Normen, Brandlastberechnungen oder Hausordnungen. Technische Umsetzung der Baustoffklassen ergibt sich aus den Technischen Baubestimmungen, nicht aus dem Gesetzestext.
Nicht ausdrücklich im Wortlaut. § 44 BauO verlangt Abfall in GK 3–5 in abgeschotteten Nebenräumen – nicht im Flur. Für bewegliche Gegenstände gibt es in normalen Gebäuden keine allgemeine BauO-Regel; das Schutzziel folgt aus § 36 Abs. 1.
Dürfen Fahrräder im notwendigen Flur stehen?
Baurechtlich in NRW ohne Sonderbau-Einschlägigkeit: keine ausdrückliche Verbotsnorm in BauO/SBauVO. In Verkaufsstätten (§ 83 SBauVO), Beherbergungen (§ 57), Hochhäusern (§ 116) und Garagen (§ 140) gelten strengere Betriebsvorschriften.
Was regelt § 36 Abs. 6 zur Brandlast?
Gebundene Brandlast: Bekleidungen, Putze, Unterdecken und Dämmstoffe nichtbrennbar; brennbare Wände/Decken mit nichtbrennbarer Bekleidung in ausreichender Dicke; Fußbodenbeläge mindestens schwerentflammbar.
Gibt es eine Brandlastgrenze in MJ/m² für Flure?
Nein. Das Gesetz kennt für notwendige Flure weder „Brandlast“ als Definition noch Brandlastdichten – nur Baustoffklassen und funktionales Schutzziel.
Wann ist Abstellen im Flur gesetzlich verboten?
Ausdrücklich bei Verkaufsstätten in notwendigen Fluren (§ 83 SBauVO: keine Dekorationen, keine Gegenstände). Sonst bei Sonderbauten über Hindernis- und Freihaltungsvorschriften (§ 57, § 116) oder Kraftfahrzeug-Verbot in Garagen-Fluren (§ 140).
Schützt die feuerhemmende Flurwand vor Kartons im Flur?
Nein. § 36 Abs. 4 schützt den Flur vor Brand aus angrenzenden Räumen. Brandlast im Flur selbst ist ein separates Thema – gebunden über § 36 Abs. 6, beweglich über SBauVO-Betrieb oder § 36 Abs. 1 Schutzziel.
Was ist der Unterschied zu Ladenstraßen „Brandlasten freihalten“?
§ 65 SBauVO nutzt den Begriff nur für Ladenstraßen in Verkaufsstätten – ein eigenes Raumkonzept, nicht pauschal für jeden notwendigen Flur.
Von der Ratgeber-Einordnung zur konkreten Leistung: Brandschutzberatung, Konzept oder betriebliche Organisation – wir melden uns mit einer passenden Einschätzung.