Feuerlöscher entsorgen: PFAS, Abfallrecht und was Betriebe jetzt planen müssen
Ausgesonderte Feuerlöscher sind Abfall, besonders Nass- und Schaumlöscher mit PFAS. AVV-Schlüssel, Abfallerzeugernummer, Nachweispflicht und der Umstieg nach der EU-Restriktion 2025/1988, verständlich für Gewerbe in NRW.
Jeder ausgesonderte Löscher ist Abfall, nicht Restmüll
Wer Feuerlöscher austauscht, instandsetzt oder stilllegt, erzeugt Abfall im Sinne des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Das gilt für alle Löschertypen, nicht nur für PFAS-haltige Schaumgeräte. Verklappung in der Umwelt, Einleitung von Löschmittel in die Kanalisation oder mutwilliges Auslösen zum „Entleeren“ ohne genehmigtes Konzept sind keine Kavaliersdelikte. Sie können strafbar sein.
Das bvfa-Merkblatt „Entsorgung von ausgesonderten Feuerlöschern“ der Fachgruppe Feuerlöschgeräte-Industrie beschreibt die fachlich und rechtlich korrekte Vorgehensweise. Der Schwerpunkt liegt auf PFAS-haltigen Schaumlöschern, weil diese „Ewigkeitschemikalien“ besondere Behandlung und steigende Entsorgungskosten mit sich bringen.
Seit dem 23. Oktober 2025 gilt die EU-Restriktion zu PFAS in Löschschäumen (Verordnung (EU) 2025/1988). Sie begrenzt Inverkehrbringen und Nutzung fluorhaltiger Schäume in tragbaren Feuerlöschern. Spätestens bis zum 31. Dezember 2030 sollen PFAS-haltige Schäume aus dem Markt. Wer heute noch AFFF-Geräte im Bestand hat, sollte inventarisieren, Ersatz planen und Entsorgung rechtssicher organisieren, statt auf den Stichtag zu warten.
Gefährlicher oder ungefährlicher Abfall?
Entscheidend ist die Abfallart nach Abfallverzeichnisverordnung, nicht die Marke des Löscherherstellers. Die folgende Übersicht folgt der bvfa-Systematik und hilft bei der ersten Einordnung im Betrieb.
AVV-Orientierung für ausgesonderte Feuerlöscher und Löschmittel
AVV-Orientierung für ausgesonderte Feuerlöscher und Löschmittel
AVV-Schlüssel
Typische Fraktion
Einstufung
16 05 04*
Nasslöscher (Wasser, Fettbrand, Schaum, Metallbrand), Halon, gefährliche Gase in Druckbehältern
gefährlicher Abfall
16 10 01*
flüssige Löschmittel und lose Schaumkonzentrate (Premix, Kanister, IBC)
gefährlicher Abfall
16 05 05
ABC-/BC-Pulverlöscher und CO₂-Löscher
in der Regel kein gefährlicher Abfall
16 05 09
loses Pulver (ABC/BC)
kein gefährlicher Abfall
Was die Einstufung für den Alltag bedeutet
Ein 6-Liter-Aufladeschaumlöscher wiegt grob etwa zehn Kilogramm. Zweihundert Nasslöscher entsprechen damit ungefähr zwei Tonnen gefährlichem Abfall. Ab dieser Schwelle greifen erweiterte Pflichten.
Gefährlicher Abfall ist grundsätzlich nachweispflichtig. Ab mehr als zwei Tonnen gefährlichem Abfall pro Jahr und Standort braucht der Erzeuger eine Abfallerzeugernummer. Die Beantragung läuft über GADSYS der zuständigen Landesbehörde, in NRW über das Zentrale Kommunikationssystem Abfall (zks-abfall.de).
Pulver- und CO₂-Löscher sind einfacher zu entsorgen, bleiben aber Abfall. Sie gehören an zugelassene Entsorgungsfachbetriebe, nicht in den Gewerbe-Restmüll und nicht in die private Tonne. Die Andienungspflicht gilt auch hier.
Kleinmengen, Sammelnachweis und elektronisches Verfahren
Die sogenannte Handwerkerregelung befreit Kleinmengen von besonderen Transportdokumentationspflichten: bis 20 Tonnen ungefährlicher Abfall und bis 2 Tonnen gefährlicher Abfall pro Jahr. Das entspricht etwa 200 Nasslöschern jährlich und ist für Brandschutzfachbetriebe schnell erreicht.
Zwischen 2 und 20 Tonnen gefährlichem Abfall, grob 200 bis 2.000 Nasslöscher, kann oft ein Sammelnachweis des Entsorgers genutzt werden, sofern die Befreiung greift. Voraussetzung sind Abfallerzeugernummer des Erzeugers, ein Sammler mit Zugang zum elektronischen Verfahren und dokumentierte Übernahmescheine.
Ab 20 Tonnen gefährlichem Abfall pro Jahr, etwa 2.000 Nasslöscher, wird die elektronische Nachweisführung mit Einzelentsorgungsnachweis und Signaturkarte Pflicht. Loses Löschmittel und andere gefährliche Fraktionen zählen mit. Wer Wartung und Austausch für viele Kunden organisiert, sollte die eigenen Mengen früh rechnen, nicht erst beim Jahresabschluss.
Lagerung und Transport: geschlossen übergeben, nicht umfüllen
Flüssige Löschmittel lagern nach Gefahrstoffverordnung auf Auffangwannen, mindestens mit dem Rauminhalt des größten Gebindes. Bei tragbaren Löschern bis 9 Liter, bei IBC mindestens 1.000 Liter. Altlöscher stehen trocken und überdacht, ohne Staunässe unter Abdeckfolien, und ohne Fremdzugriff.
Löschmittel aus Löschern abzapfen oder umzufüllen gilt als Abfallbehandlung am Betriebsstandort. Das ist genehmigungspflichtig und verlangt Bodenschutz sowie geeignete PSA. Der bvfa empfiehlt, Feuerlöscher als geschlossene Gesamteinheit zu übergeben. Behälter und Armaturen von PFAS-Schaum sind kontaminiert und nicht ohne Weiteres verwertbar.
Beim Transport in Gitterboxen helfen Foliensäcke gegen Auslauf. Die Weitergabe ausgesonderter PFAS-Löscher an Dritte oder ein „Zweitleben“ ist unzulässig. Personal muss im Abfallrecht unterwiesen sein. Mengen und Typen gehören auf den Serviceauftrag oder einen vergleichbaren Nachweis.
Pflichten für Arbeitgeber und Dienstleister
Der gewerbliche Abfallbesitzer muss Abfälle klassifizieren, nur an befähigte Entsorgungsfachbetriebe abgeben und den Weg nachweisen. Die Haftung bleibt bis zur endgültigen Beseitigung beim Erzeuger. Wer den Entsorger nicht prüft, trägt das Risiko mit.
Dienstleister, die Löscher beim Kunden abholen, sollten dessen Abfallerzeugernummer nutzen. Der Kunde ist Verursacher. Große Mengen lassen sich oft direkt beim Endkunden durch einen zertifizierten Sammler abholen. Das begrenzt die eigenen Meldemengen.
Fluorhaltige Schaumlöscher, etwa mit AFFF, unterliegen der EU-Restriktion. Das Inverkehrbringen in tragbaren Feuerlöschern endet voraussichtlich ab dem 23. Oktober 2026. Für alkoholbeständige Schäume gilt eine längere Übergangsfrist bis zum 23. April 2027. Die Nutzung bestehender Geräte ist spätestens bis zum 31. Dezember 2030 begrenzt. Danach braucht es fluorfreie Alternativen oder andere Löschmittel, passend zur Brandklasse und zum Risiko. Abgrenzung: Die Restriktion trifft PFAS in Löschschäumen, nicht pauschal jeden Feuerlöscher. Pulver- und CO₂-Geräte bleiben betrieblich und abfallrechtlich relevant, stehen aber unter einem anderen Rechtsregime als AFFF-Schaum.
Beim Umstieg Löschertyp und Brandklasse neu bewerten, siehe Brandklassen und Löschertypen. Löschübungen mit Schaumlöschern ohne fachliche Freigabe sind weder sinnvoll noch zulässig. In der Brandschutzhelfer-Ausbildung werden Übungslöscher kontrolliert eingesetzt.
Ein belastbarer Weg sieht so aus: Bestand dokumentieren, Austausch bis 2030 planen, Entsorgung mit Nachweis beauftragen. Der schlechte Weg ist, AFFF-Geräte ohne Inventur und ohne Entsorgungskonzept bis zum Verbot weiterlaufen zu lassen. Für Betriebe in NRW lohnt die frühzeitige Abstimmung mit dem Wartungsdienstleister, bevor Preise und Kapazitäten unter Zeitdruck steigen.
Grenzen dieses Ratgebers
Dieser Ratgeber fasst das bvfa-Merkblatt zur Entsorgung ausgesonderter Feuerlöscher zusammen und ordnet den EU-PFAS-Rahmen ein. Abfallrecht ist Ländersache. Erzeugernummer, Befreiungen und Behördenzuständigkeit in NRW klären Sie über GADSYS und ZKS. Der Text ersetzt keine rechtliche Beratung, kein Abfallkonzept und keine Entsorgungsvertragsprüfung. Das Merkblatt selbst ist kostenlos über bvfa.de verfügbar.
Häufige Fragen
Darf ich alte Feuerlöscher im Gewerbeabfall entsorgen?
Nein. Auch Pulver- und CO₂-Löscher sind gewerblicher Abfall und gehören nur über zugelassene Entsorgungsfachbetriebe mit Nachweis. Private Haushalte nutzen kommunale Sammelstellen. Im Betrieb gilt die Andienungspflicht.
Ab wann brauche ich eine Abfallerzeugernummer?
Ab mehr als zwei Tonnen gefährlichem Abfall pro Jahr und Standort, grob ab etwa 200 Nasslöschern. Die Beantragung läuft über GADSYS bei der zuständigen Landesbehörde.
Sind nur Schaumlöscher gefährlicher Abfall?
Nein. Alle Nasslöscher (Wasser, Fettbrand, Schaum, Metallbrand), Halon und flüssige Löschmittel fallen unter gefährliche AVV-Schlüssel. Pulver und CO₂ sind meist ungefährlicher Abfall, bleiben aber abfallrechtlich relevant.
Darf ich Löschschaum zum Üben auslösen?
Nein. Die Freisetzung von Löschmittel ohne ordnungsgemäße Entsorgung ist strafbar und bei PFAS umweltschädlich. Übungen nur mit genehmigtem Konzept und geeigneten Übungsgeräten.
Was kostet die Entsorgung von PFAS-Löschern?
Deutlich mehr als bei Pulver oder CO₂, wegen Demontage, Stofftrennung, Behandlungsgebühren und Nachweispflicht. Die Kosten gehören in den Wartungsvertrag oder das Austauschangebot.
Bis wann müssen PFAS-Schaumlöscher aus dem Betrieb?
Die Nutzung bestehender Geräte ist spätestens bis zum 31. Dezember 2030 begrenzt. Neugeräte mit PFAS-Schaum dürfen voraussichtlich ab dem 23. Oktober 2026 nicht mehr in Verkehr gebracht werden (EU 2025/1988). Früh inventarisieren und umstellen.
Von der Ratgeber-Einordnung zur konkreten Leistung: Brandschutzberatung, Konzept oder betriebliche Organisation – wir melden uns mit einer passenden Einschätzung.