Selbstentzündung ohne Flamme von außen
Bei Selbstentzündung entzünden sich Stoffe ohne Zündquelle von außen. Exotherme Reaktionen erzeugen Wärme; kann sie nicht abfließen (Wärmestau), steigt die Temperatur bis zur Zündtemperatur.
Begünstigt werden poröse, saugfähige Materialien mit großer innerer Oberfläche – zusammengeknüllte Putztücher, Schwämme, Stäube in Behältern. Die DGUV-Fachinformation FBFHB-004 (Stand 25.11.2019) beschreibt typische Stoffe und sichere Sammlung.
Grenzfall ja: Einzelner Leinöl-Pinsel liegt offen auf der Werkbank – trocknet ohne Wärmestau. Grenzfall nein: Mehrere ölige Lappen im halboffenen Eimer über Nacht – klassischer Werkstattbrand am Morgen.
Trocknende Öle und Lackreste
Holzöl, Leinöl und andere trocknende (härtende) Öle enthalten ungesättigte Fettsäuren. Oxidation mit Sauerstoff aus der Luft erzeugt Wärme – der Prozess kann Stunden bis Monate dauern.
Gefahr entsteht bei Sammlung und Entsorgung der Arbeitsmittel, nicht beim Auftrag auf Werkstücken oder bei offenen Gebinden. Lackreste auf Öl- oder Alkydharzbasis auf Putzlappen können bei Wärmestau ebenfalls selbst entzünden. Mineralöle (Paraffin, Testbenzin) auf Lappen sind in der Regel nicht selbstentzündlich.
Metallstäube und -späne
Feuchte Leichtmetallspäne (Aluminium, Magnesium) oxidieren beim Trocknen – in Behältern ohne Wärmeabfuhr droht Selbstentzündung. Besonders kritisch: Polierabfälle, feinverteiltes Eisen/Aluminium-Gemisch, frische Pulver nach inertisierter Lagerung bei Kontakt mit Luft.
Ansammlungen in Auffangbehältern von Absaugfiltern: große Oberfläche, Selbstisolation. Oxidation frischer Späne kann auch unter Wasser Wasserstoff freisetzen – in schlecht belüfteten Bereichen Knallgasgefahr. Mit wassermischbaren Kühlschmierstoffen benetzte Späne beim Schleifen: erhöhtes Risiko durch feine Korngröße.
Holzspäne, Silos und landwirtschaftliche Produkte
Holzspäne mit Feuchtigkeit über 15 % in Silos: Gärprozesse erzeugen Hotspots, Schwelgase, Glutnester. Risiko steigt mit Silogröße und Umgebungstemperatur – vor Einlagerung trocknen, Temperatur überwachen.
Frisches feuchtes Heu im Stock: biologische Aktivität kann Temperaturen über 50 °C treiben; ab 70 °C Feuerwehr alarmieren. Ähnliche Risiken bei Stroh und Kompost – relevant für landwirtschaftliche Betriebe und große Holzlager in NRW.
Typische Brandfälle
Leinölgetränkte Putztücher im offenen Behälter über Nacht. Holzöl auf Möbeln: Schwämme mit Schleifstaub und Pinselresten in Papier-Tüte. Magnesium- oder Aluminiumschlamm in Fässern ohne rechtzeitige Entleerung. Frische feuchte Späne schichtweise ins Silo ohne Temperaturkontrolle.
Sachgerechte Sammlung und Entsorgung
Herstellerangaben, Sicherheitsdatenblatt und Technisches Merkblatt sind maßgeblich – in der Gefährdungsbeurteilung auf den Betrieb anwenden.
- Selbstentzündungsfähige Abfälle in leitfähigen, geerdeten, dicht verschlossenen Metall- oder HDPE-Behältern – klar gekennzeichnet, nicht mit Lebensmittelbehältern verwechselbar, kein Sonnenlicht
- Behältergröße an Abfallmenge anpassen, nicht mit anderen Abfällen vermischen, häufig leeren
- Metallspäne in kleinen rostfreien Behältern, nicht erwärmen
- Geschlossene Behälter mit öligen Lappen: keine Aushärtung im Behälter – beim Öffnen kann Sauerstoff Nachbrand auslösen
- Alternative: flach zum Trocknen ausbreiten oder aufhängen, danach trockene Lappen mit Hausmüll entsorgen
- Oder: mit Wasser befeuchten und in geschlossenem Metallbehälter lagern (Gewicht beachten)
- Feuchte Holzspäne trocknen, Feuchte und Temperatur im Lager messen; große Lager ggf. mit Brandfrüherkennung oder Wärmebildkamera überwachen
Was Betriebe in NRW tun sollten
Betriebsanweisung und Unterweisung für Werkstatt, Lackierung, Metallbearbeitung und Lager. Behälter in Gefährdungsbeurteilung und Brandschutzordnung Teil B verankern. Entsorgungsfirma für größere Mengen – Abholung dokumentieren.
Ergänzend: Gefahrstoff- und Kraftstofflagerung, Brandschutz in Unterkünften (ölige Lappen in Metallbehältern).
Grenzen
Dieser Ratgeber fasst FBFHB-004 zusammen – keine stoffspezifische Einzelfestlegung. Immer SDS und Hersteller beachten. Er ersetzt keine Gefährdungsbeurteilung und keine Entsorgungsrecht-Beratung.
- Warum brennen ölige Putzlappen von allein?
- Trocknende Öle oxidieren und erzeugen Wärme. In zusammengeknüllten Lappen in Behältern kann die Wärme nicht abfließen – Wärmestau bis zur Zündtemperatur.
- Reicht ein offener Abfalleimer für ölige Lappen?
- Nein. Offene Behälter oder Papierkörbe sind typische Brandursachen. Geschlossener Metallbehälter, häufiges Leeren, oder Trocknen vor Entsorgung.
- Dürfen Metallspäne in den normalen Abfall?
- Kleine Mengen trockener Späne nach betrieblicher Regel – oft Sonderabfall. Feuchte Leichtmetallspäne in kleinen rostfreien Behältern sammeln, nicht erwärmen, zeitnah entsorgen.
- Sind Mineralöl-getränkte Lappen gefährlich?
- Auf saugfähigen Materialien in der Regel nicht selbstentzündlich – anders als Leinöl, Holzöl oder Alkyd-Lackreste. Trotzdem sichere Entsorgung und SDS beachten.
- Was tun beim Öffnen eines Lappen-Behälters mit Rauch?
- Nicht öffnen oder sofort schließen, Bereich verlassen, Feuerwehr 112. Nachbrand durch eindringenden Sauerstoff ist möglich – nicht selbst löschen ohne Konzept.
- Ab welcher Heu-Temperatur ist die Feuerwehr nötig?
- Temperatur im Heustock unter 50 °C anstreben. Ab 70 °C laut FBFHB-004 unverzüglich Feuerwehr alarmieren – akute Brandgefahr.
Weitere Ratgeber: Umbau & Nutzungsänderung